Business Lunch mit Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B&R Deutschland

Vier Gänge mit fünf Fragen

Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B&R Deutschland

Automatisierungstechnik macht komplexe Produktionsprozesse beherrschbar und beschleunigt diese. B&R bietet der Lebensmittel- und Getränkeindustrie ein breites Produkt- und Lösungsangebot, u. a. von Antriebs, Prozessleit- und Sicherheitstechnik. lebensmittelverarbeitung-online.de sprach mit Markus Sandhöfner, dem Geschäftsführer von B&R Deutschland in diesem Zusammenhang über Industrie 4.0, den Vorteilen von Skalierbarkeit und den Vorzügen von standardisierten Softwarekomponenten.

1. Amuse Gueule
LMV-online.de: Herr Sandhöfner, Sie sind seit Anfang 2014 Geschäftsführer von B&R Deutschland. In den letzten beiden Jahren steigerte sich der Unternehmensumsatz zweistellig und liegt damit über dem Branchendurchschnitt. Wie sieht es im laufenden Jahr aus und wo sehen Sie die größten Wachstumstreiber für die Zukunft?

Laut der aktuellen VDMA-Statistik über den deutschen Maschinenbau haben die Hersteller im ersten Halbjahr 2016 einen leichten nominellen Umsatzrückgang verzeichnet. Wir sehen eine leichte Abkühlung. Nichts desto trotz: BR erzielt gegen diesen Trend weiterhin schwarzen Zahlen, d.h. wir wachsen weiter. Unser Wachstum generieren wir über die Nähe zu unseren Kunden und dank dieser Nähe gewinnen wir laufend neue Geschäftspartner dazu. Wir steigern mit jedem neuen Kunden das Vertrauen in unsere Produkte, immer mehr B&R Lösungen werden eingesetzt und so können wir unseren Umsatz steigern, selbst wenn das Umfeld leicht rückläufig ist.

Einer unserer Wachstumstreiber ist der weltweite Mittelstand. Wenn man China und die Schwellenländer betrachtet, wachsen die Mittelschicht und auch die Ansprüche an den Lebensstandard. Die Menschen fragen mehr Konsumgüter nach, somit steigt der Bedarf an Maschinen zur deren Herstellung. Ein Großteil dieser Maschinen wird in westlichen Ländern hergestellt, das ist eine riesige Chance für Automatisierer wie B&R, denn gerade in den Bereichen Lebensmittel, Verfahrenstechnik und Pharmazie sind wir sehr stark.

Ein anderer Wachstumstreiber ist der Wunsch nach Individualisierung in der westlichen Welt, der sich dann in Kaufentscheidungen niederschlägt. Diese individualisierten Produkte können dank neuer Fähigkeiten in Massenproduktion hergestellt werden. So entsteht über Digitalisierung, Individualisierung und Vernetzung der Trend zu zusätzlicher Fertigung in Europa vor Ort: nahe an Kunden und Konsumenten, nicht mehr als Massenware aus China. Das treibt das Geschäft von Automatisierern. Für diese angesprochene Vernetzung bedarf es auf die neuen Anforderungen zugeschnittene Anlagen, die immer modularer werden. Diese Modularität unterstützt B&R ganz hervorragend, und das treibt wiederum auch unser Wachstum in den Industrieländern an.

Hinzu kommt, dass Innovationen eine enorm wichtige Rolle für B&R spielen. Wir geben dreimal mehr Kapital für Forschung und Entwicklung aus als am Markt üblich. Das erlaubt uns, unser innovatives Potential voll auszuschöpfen, um schlussendlich für unsere Kunden Zeit und Geld einzusparen, beispielsweise über schnelle Inbetriebnahmen oder verkürzte Wartungen. Mit 16 Standorten in Deutschland sorgen wir für die eingangs erwähnte Kundennähe. Hier unterstützen wir unsere Geschäftspartner lokal und arbeiten eng bei der Projektentwicklung mit ihnen für kürzere Entwicklungszeiten zusammen.

2. Vorspeise
LMV-online.de: Wachstum ist ohne motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter nicht möglich. Passende Ingenieure sind allerdings Mangelware. Wie steuert B&R diesem Spannungsfeld entgegen?

Wir stellen fest, dass Hochschulabsolventen zwei Dinge brauchen, um bei B&R erfolgreich zu sein: Zum einen benötigen sie Automatisierungsverständnis für unsere Lösungen, zum anderen müssen sie wissen, wie Automatisierungsprodukte beim Kunden eingesetzt werden. Diese beiden Erfahrungen müssen zusammenkommen, dafür haben wir unser Engineering-Camp ins Leben gerufen. In drei Monaten vermitteln wir hier den Anfängern weltweit ein umfassendes Wissen in Theorie und Praxis für einen optimalen Start.

Auch wollen wir an den Hochschulen bekannter werden. Die Hälfte unserer Mitarbeiter sind Ingenieure, die im Vertrieb, in der lokalen Applikation gemeinsam mit den Kunden für Automatisierungskonzepte oder im Bereich Forschung und Entwicklung tätig sind. B&R fehlt es noch an Bekanntheit an den Universitäten und Hochschulen, deshalb haben wir vor zwei Jahren das „Education Network Team“ gegründet. Die Kollegen besuchen Hochschulen und technische Schulen, sie betreuen Ausbildungs- und Forschungsprojekte, um B&R bekannter zu machen. Zeitgleich verfolgen wir das Ziel, dass mehr Absolventen mit B&R Know How zu den Maschinenbauern gehen, was den Maschinen- und Anlagenbauern und uns die Zusammenarbeit erleichtert.

Generell ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter stets auf dem neusten Stand sind. Wenn Innovationen in Forschung und Entwicklung vorbereitet werden, die auf den Markt kommen, müssen unsere Teams vor Ort mit den aktuellen Trends und Möglichkeiten vertraut sein. Deshalb investieren wir zehn Prozent der Arbeitszeit in Weiterbildung und Schulungen, sowohl intern als auch extern.

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