Die Privatmolkerei Bauer erweitert ihre Wertschöpfung bei pflanzlichen Produkten. Statt die für Joghurtalternativen benötigte Sojabase wie bisher extern zu beziehen, übernimmt das Unternehmen künftig auch deren Herstellung. Dafür hat Bauer am Standort Wasserburg am Inn eine neue Produktionsanlage mit Innovationszentrum errichtet. Die reguläre Produktion soll im August 2026 starten. Die wesentliche Prozesstechnik für die neue Plant-Based-Produktion stammt von Gea. Der Anlagenbauer begleitete das Projekt von ersten Machbarkeitstests und der Verfahrensentwicklung bis zur betriebsbereiten Anlage. Dabei übernahm Gea als Generalunternehmer die zentrale Projektverantwortung und unterstützte Bauer auch bei der Gebäudeplanung. Beauftragt wurde das Unternehmen im Mai 2025, die Montage begann im Januar 2026.
Plant-Based-Produktion umfasst komplette Prozesskette
Die Anlage deckt sämtliche Prozessschritte von der Annahme und Lagerung der Sojabohnen bis zum fertigen pflanzlichen Konzentrat ab. Zur gelieferten Technik gehören Misch- und Mahlsysteme sowie Dekanter für die Feststoffabtrennung. Hinzu kommen eine Anlage zur thermischen Inaktivierung, Tanklager, Wasseraufbereitung und die erforderlichen CIP-Reinigungssysteme. Das auf diese Weise erzeugte pflanzliche Konzentrat verarbeitet Bauer anschließend auf den bestehenden Produktionsanlagen zu Joghurtalternativen weiter. Damit verlagert die Molkerei einen bislang extern ausgeführten Produktionsschritt in das eigene Werk.
Prozessentwicklung in Testzentren von Gea
Bevor die Anlage in Wasserburg umgesetzt wurde, erarbeiteten und überprüften Gea-Teams die Verfahrenskonzepte und Leistungsdaten in den Prozess-Testzentren in Ahaus und Oelde. An dem Gesamtprojekt waren zudem Experten für die Milchverarbeitung aus München beteiligt. Die Bündelung der unterschiedlichen Kompetenzbereiche unter einer zentralen Projektverantwortung sollte die Zahl der Schnittstellen reduzieren und eine schnelle Umsetzung ermöglichen. Zwischen der Beauftragung im Mai 2025 und dem geplanten Start der regulären Produktion im August 2026 liegen rund 15 Monate.
Sebastian Bodmeier, Technische Projektleitung bei der Privatmolkerei Bauer, resümiert: „Weil Gea Versuche, Prozessauslegung, Engineering und Umsetzung aus einer Hand zusammengeführt hat, ließ sich unser Projekt auf der Überholspur realisieren. Wir hatten einen Ansprechpartner für die komplette Prozesskette. Das hat uns in jeder Projektphase Zeit gespart, ohne dass wir bei der Qualität Kompromisse eingehen mussten.“
Gea baut Erfahrung in der Plant-Based-Produktion aus
Für Gea ist die Anlage bei Bauer nach eigenen Angaben das erste Projekt dieses Umfangs, bei dem der gesamte Weg von der Idee über die Verfahrensentwicklung bis zur betriebsbereiten Anlage aus einer Hand begleitet wurde.
GEA-Projektleiter Michael Klamt erklärt: „Dass wir Bauer von der ersten Machbarkeitsstudie bis zur betriebsbereiten Anlage aus einer Hand begleiten konnten, war die Voraussetzung dafür, einen so ambitionierten Zeitplan zuverlässig zu halten, und ein Beleg dafür, dass sich unsere Investitionen in die Testzentren in Ahaus und Oelde auszahlen.“ Erfahrungen mit einzelnen Prozesslösungen für pflanzliche Rohstoffe besitzt das Unternehmen bereits aus Projekten für Molkereien, Getränkehersteller und spezialisierte Anbieter. Dabei beschränkt sich die Verfahrenstechnik nicht auf Soja. Der Maschinenbauer liefert nach eigenen Angaben auch Prozesslösungen für die Herstellung pflanzlicher Basen aus Hafer, Reis und weiteren Rohstoffen.
Innovationszentrum unterstützt Entwicklung pflanzlicher Produkte
Die neue Anlage schafft für Bauer zugleich die verfahrenstechnische Grundlage, weitere pflanzliche Produkte selbst zu entwickeln und zu produzieren. Ein Beispiel wurde bereits vor der Einweihung vorgestellt: Für das OMR-Festival im Mai 2026 ließ die Molkerei einen pflanzenbasierten Kefir-Drink entwickeln. An der Entwicklung und Validierung des zugehörigen Prozesses waren ebenfalls die Gea-Teams aus den Testzentren Ahaus und Oelde beteiligt. Mit der neuen Plant-Based-Produktion kann Bauer die dafür benötigte pflanzliche Basis künftig selbst am Standort Wasserburg herstellen.