Die Privatmolkerei Bauer setzt bei der Verpackung ihrer Joghurtprodukte auf weitere Automatisierung. Am Standort Wasserburg am Inn hat das Unternehmen die Palettierung von Pouchbeutelverpackungen in offenen Trays automatisiert und damit einen bislang manuell ausgeführten Prozessschritt ersetzt. Zum Einsatz kommt eine gemeinsam von Profipack und Yaskawa realisierte Cobot-Lösung, die hohe Prozesssicherheit mit einer kompakten Bauweise verbindet. Seit Januar 2026 ist die Anlage im Produktionsbetrieb und erreicht Taktzeiten von 20 Sekunden pro Tray.
Die 1887 gegründete Privatmolkerei Bauer zählt zu den etablierten Herstellern von Joghurt-, Trinkjoghurt- und Käsespezialitäten in Deutschland. Neben der kontinuierlichen Entwicklung neuer Produkte investiert das Unternehmen regelmäßig in die Optimierung und Automatisierung seiner Produktions- und Verpackungsprozesse. Ziel ist es, die Produktqualität langfristig zu sichern und Mitarbeitende von körperlich belastenden Routinetätigkeiten zu entlasten.
Privatmolkerei Bauer automatisiert das Ende der Verpackungslinie
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Palettierung von Joghurt-Pouchbeuteln am Ende der Verpackungskette. Die bereits in Trays angeordneten Gebinde mussten bislang manuell auf Euro-Paletten gestapelt werden. Dieser Prozessschritt war arbeitsintensiv und bot Potenzial für weitere Optimierungen. „Primäres Ziel war die Erhöhung der Prozesssicherheit“, erläutert Anton Weber, verantwortlicher Projektleiter bei der Privatmolkerei Bauer. „Zudem sollte die Palettierungslösung eine hohe Integrationsfähigkeit in bestehende Abläufe sowie eine einfache Bedienbarkeit aufweisen.“
Die technischen Anforderungen gingen dabei über die reine Leistung hinaus. Gefordert waren mindestens drei Trays pro Minute. Gleichzeitig sollte die Anlage aufgrund begrenzter Platzverhältnisse ohne Schutzzaun oder zusätzliche Sicherheitseinrichtungen betrieben werden können. Hinzu kam die besondere Beschaffenheit der Verpackungen: Die offenen Trays enthalten jeweils 40 Pouches in zehn Einzelkartons, die während des Handlings nicht verrutschen dürfen. Zusätzlich musste die Anlage Karton-Zwischenlagen automatisch applizieren.
Cobot übernimmt Palettierung und Zwischenlagenhandling
Nach einem strukturierten Auswahlprozess entschied sich die Privatmolkerei Bauer für eine Lösung des österreichischen Verpackungs- und Intralogistikspezialisten Profipack. Ausschlaggebend waren neben der technischen Kompetenz die Erfahrung in der Molkereiindustrie sowie die räumliche Nähe zum Produktionsstandort. Für die Umsetzung entwickelte Profipack erstmals eine cobotbasierte Palettierlösung. Der kollaborative Roboter arbeitet ohne klassische Schutzeinhausung und übernimmt mehrere Aufgaben innerhalb des Prozesses. Er entnimmt jeweils zwei Trays aus dem vorgelagerten Verpackungsprozess und platziert diese auf einen von zwei Palettenplätzen. Sobald eine Palette die maximale Stapelhöhe erreicht hat, erfolgt automatisch der Wechsel auf den zweiten Palettenplatz. Parallel dazu übernimmt der Roboter die Applikation der erforderlichen Karton-Zwischenlagen. Der Prozess ist aktuell für drei unterschiedliche Pouch-Formate ausgelegt und kann bei Bedarf um weitere Programme ergänzt werden.
Privatmolkerei Bauer setzt auf Mensch-Roboter-Kollaboration
Zum Einsatz kommt ein sechsachsiger Cobot des Typs „HC20DTP“ von Yaskawa mit einer Traglast von 20 Kilogramm und einem Arbeitsbereich von 1.900 Millimetern. Steuerung und Schaltschrank sind platzsparend im Robotersockel integriert. Besondere Vorteile bietet die integrierte Medienführung für Ethernet, Ein- und Ausgänge sowie Druckluft. Dadurch werden störende Kabelverläufe vermieden und die Reinigungsfähigkeit verbessert. In der Anwendung bei der Privatmolkerei Bauer nutzt der Cobot einen von Profipack entwickelten MRK-Leichtbau-Vakuumgreifer. Dieser nimmt jeweils zwei Trays gleichzeitig auf und sorgt durch eine leichte Neigung für zusätzliche Stabilität der offenen Verpackungen während der Palettierung. Das Sicherheitskonzept für die Mensch-Roboter-Kollaboration wurde von Yaskawa umgesetzt und eng begleitet.
Positive Erfahrungen der Privatmolkerei Bauer im Produktionsalltag
Seit Januar 2026 arbeitet die Anlage im regulären Drei-Schicht-Betrieb. Nach Angaben des Unternehmens erfüllt die Lösung die Anforderungen an Leistung, Prozesssicherheit und Verfügbarkeit. Die Palettierungsanlage erreicht eine Taktzeit von 20 Sekunden pro Tray und integriert sich nahtlos in die bestehende Verpackungslinie. Gleichzeitig reduziert die kompakte Bauweise den Platzbedarf und ermöglicht den Betrieb ohne zusätzliche Schutzeinrichtungen. „Das System arbeitet sicher und platzsparend ohne zusätzliche Schutzeinrichtungen“, resümiert Projektleiter Anton Weber. „Zudem ist die Lösung robust und industrietauglich. Auch nach mehreren Monaten im Drei-Schicht-Betrieb bestätigt sich die richtige Investitionsentscheidung.“