Monatszahlen und Jahresbilanz zeigen schwache Inlandsnachfrage, stabile Exporte und steigende Bedeutung des Auslandsgeschäfts
Deutsche Lebensmittelindustrie bleibt unter wirtschaftlichem Druck
Montag, 13. Juli 2026
| Redaktion
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Im April 2026 verbuchte die deutsche Lebensmittelindustrie insgesamt einen nominalen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber Vorjahresmonat
Im April 2026 verbuchte die deutsche Lebensmittelindustrie insgesamt einen nominalen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber Vorjahresmonat, Bild: LMV-online.de / Susanne Woggon

Die deutsche Lebensmittelindustrie bewegt sich auch 2026 in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Während das Auslandsgeschäft weiter wächst, belasten eine schwache Inlandsnachfrage, verhaltene Investitionen und eine unsichere Konjunkturentwicklung die Branche. Das zeigen sowohl die aktuellen Monatszahlen für April 2026 als auch die jetzt veröffentlichten Jahreszahlen für 2025 der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG).

Im April 2026 verzeichnete die Ernährungsindustrie preisbereinigt einen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Während das Auslandsgeschäft real um 1,2 Prozent zulegte, sank der Inlandsumsatz um vier Prozent. Insgesamt erzielten die Unternehmen einen nominalen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der kalender- und saisonbereinigte Produktionsindex blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Lebensmittelindustrie spürt schwache Inlandsnachfrage

Von den gesamten Umsätzen entfielen 12,1 Milliarden Euro auf das Inlandsgeschäft und 7,2 Milliarden Euro auf den Export. Nominal gingen die Inlandsumsätze um 6,8 Prozent zurück, während das Auslandsgeschäft um 3,7 Prozent unter dem Vorjahreswert lag. Preisbereinigt entwickelte sich der Export jedoch weiterhin positiv. Die Ausfuhrpreise sanken um 4,8 Prozent, die Verkaufspreise im Inland um 2,9 Prozent. Gleichzeitig blieb die Produktionsmenge gegenüber dem Vorjahr stabil.

Rohstoffpreise entwickeln sich uneinheitlich

Bei den Agrarrohstoffen zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild. Der FAO Food Price Index sank im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent auf 130,3 Punkte. Während pflanzliche Öle und Fleisch teurer wurden, gaben die Preise für Zucker, Getreide und Milchprodukte nach. Auch die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im April unter dem Vorjahresniveau. Besonders deutlich fielen die Preisunterschiede einzelner Produkte aus: Während Tomaten im Jahresvergleich deutlich teurer wurden, gingen die Preise für Speisekartoffeln erheblich zurück. Bei tierischen Erzeugnissen entwickelten sich Kälberpreise positiv, Schweinepreise dagegen rückläufig.

Geschäftsklima der Lebensmittelindustrie bleibt verhalten

Auch die Stimmung in der Branche hat sich zuletzt eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Lebensmittelindustrie sank im Juni auf 84,9 Punkte und liegt damit weiterhin deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate verschlechterten sich. Nur 9,2 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, während mehr als ein Drittel von einer weiteren Verschlechterung ausgeht. Beim Konsumklima zeigte sich dagegen eine leichte Erholung. Für Juli wird eine weitere Verbesserung der Verbraucherstimmung erwartet. Gleichzeitig lagen die Lebensmittelpreise im Mai lediglich 0,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Jahresbilanz 2025: Exporte stützen die Lebensmittelindustrie

Die kürzlich veröffentlichten Jahreszahlen für 2025 bestätigen die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche. So erzielte die Lebensmittelindustrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 240,8 Milliarden Euro. Preisbereinigt stagnierte der Markt erneut. Dabei wuchs das Auslandsgeschäft real um 2,2 Prozent, während der Inlandsumsatz um 1,3 Prozent zurückging. Somit gewinnt das Exportgeschäft weiter an Bedeutung. Mittlerweile erwirtschaften die Unternehmen 37,5 Prozent ihres Umsatzes im Ausland, im Vorjahr waren es 35,1 Prozent. „Wer den Unternehmen immer neue Vorgaben auferlegt und gleichzeitig Wachstum erwartet, darf sich über ausbleibende Investitionen nicht wundern. Die Bundesregierung muss jetzt konsequent auf Entlastung setzen. Und sie würde den Unternehmen bereits helfen, wenn sie aufhörte, ständig neue Belastungen einzuführen. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch zusätzliche Regulierung, sondern durch Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Eine starke Ernährungsindustrie ist kein netter Bonus für ein Land wie Deutschland, sondern essenziell für unsere Versorgungssicherheit und unseren Wohlstand“, erklärt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer BVE.

Lebensmittelindustrie investiert weiter in Beschäftigung und Ausbildung

Obwohl die Branche mit wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hatte, blieb sie ein stabiler Arbeitgeber. So stieg die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2025 um 2,3 Prozent auf 673.919. Besonders positiv entwickelte sich die Ausbildung: Dabei erhöhte sich die Zahl der Auszubildenden um acht Prozent auf 22.454, während der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze deutlich sank. „Die Lebensmittelindustrie investiert auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in ihre Beschäftigten und in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Damit die Unternehmen diesen Weg fortsetzen können, brauchen sie aber wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen“, betont Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG).

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