Die Privatbrauerei C. & A. Veltins treibt die Modernisierung ihrer Produktion mit konsequent eingesetzter dezentraler Antriebstechnik voran. In den neuen Hochleistungs-Abfülllinien kommen mehrere hundert „Movigear performance“-Antriebe von SEW-Eurodrive zum Einsatz. Damit spart das Unternehmen nicht nur wertvolle Schaltschränkfläche am beengten Standort Grevenstein, sondern erhöht zugleich Energieeffizienz, Flexibilität und Betriebssicherheit.
Wachstumskurs verlangt leistungsfähige Antriebstechnik
Mit 3,37 Millionen Hektolitern Jahresausstoß erzielte Veltins 2025 einen neuen Höchstwert. Rund 750 Mitarbeitende erwirtschafteten einen Umsatz von 461 Millionen Euro. „Wir schaffen es, mit unseren Produkten stets nah am Kunden zu bleiben“, erklärt Technik-Geschäftsführer Peter Peschmann. Das Sortiment wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich von klassischen Biersorten über alkoholfreie Varianten bis hin zu neuen Lagerbieren für jüngere Zielgruppen erweitert.
Um die steigende Variantenvielfalt wirtschaftlich abzubilden, investierte die Brauerei in zwei neue Abfülllinien mit einer Gesamtleistung von bis zu 130.000 Flaschen pro Stunde. Da Erweiterungsflächen am Standort zunächst fehlten, musste sogar Fels weggesprengt werden, um Platz für einen neuen Gebäudekomplex zu schaffen. Umso wichtiger war es, die Antriebstechnik möglichst platzsparend zu gestalten.
Dezentrale Antriebstechnik statt klassischer Schaltschranklösung
In Anlage 5 arbeiten rund 600 Antriebe, in Anlage 6 etwa 550, ein erheblicher Teil davon als dezentrale „Movigear performance“-Einheiten. „Für klassische Schaltschranktechnik hätten wir schlicht keinen Platz gehabt“, so Peschmann. Neben den Schaltschränken selbst hätten auch umfangreiche Kabeltrassen zusätzlichen Raum beansprucht.
Mit der dezentralen Antriebstechnik entfallen viele dieser Installationen. Statt komplexer Leitungswege zwischen Motor und zentralem Schaltschrank müssen lediglich die 400-Volt-Versorgung und der Feldbus angeschlossen werden. Das reduziert Platzbedarf, Installationsaufwand und Inbetriebnahmezeit deutlich.
Bewährte Antriebstechnik mit Energie- und Hygienievorteilen
Bereits 2008 setzte Veltins erstmals auf Movigear-Antriebe in einer Pilotanwendung. „Wir haben keine Angst, neue Technologien einzusetzen“, betont Peschmann. „Unsere Anlagen laufen mehrere Jahrzehnte. Das ist aus unserer Sicht ein Aspekt von Nachhaltigkeit. Daher verwenden wir keine Produkte, bei denen absehbar ist, dass sie in vielleicht zehn Jahren abgekündigt werden. Wir setzen lieber auf die neueste Technik.“ Die aktuelle Generation der Antriebstechnik kombiniert Umrichter, permanent erregten Synchronmotor und Getriebe in einem kompakten Aluminiumgehäuse im Hygienic Design. Aufgrund seiner geschlossenen Bauweise ohne Lüfter sind die Einheiten besonders reinigungsfreundlich. Dies ist ein entscheidender Vorteil in der Getränkeindustrie.
Auch energetisch überzeugt das System: Die Motoren entsprechen der Effizienzklasse IE5. Zudem liegt die Verlustleistung des Gesamtsystems laut Hersteller deutlich unterhalb der höchsten IES-Klassifizierung. Das unterstützt die Nachhaltigkeitsstrategie der Brauerei, die unter anderem auf Photovoltaik und künftig Windenergie setzt.
Hohe Überlastfähigkeit sorgt für Sicherheit
Ein weiterer Pluspunkt der eingesetzten Antriebstechnik ist die Überlastfähigkeit von bis zu 300 Prozent. Auf Sammelbändern bewegen sich teilweise mehrere Paletten gleichzeitig. „Wenn da bei der Auslegung mit Standardantrieben ein Fehler passiert, dann hat man ein Problem“, erklärt Peschmann. „Die Movigear-performance-Antriebe bieten mit ihrer Überlastfähigkeit ein hohes Maß an Sicherheit, zum Beispiel beim Anfahren der Abfüllanlage.“ Auf mechanische Bremsen kann weitgehend verzichtet werden. Wo eine Bremswirkung erforderlich ist, kommt eine elektrodynamische Lösung zum Einsatz. Das reduziert Verschleiß, vereinfacht die Reinigung und erhöht die Robustheit der Antriebseinheiten.
Überdurchschnittliche Verfügbarkeit und partnerschaftliche Betreuung
Die beiden neuen Linien sind seit 2023 beziehungsweise 2024 in Betrieb. „Die Verfügbarkeit ist, wie wir es von der Anlage 4 kennen, überdurchschnittlich hoch“, lautet das Fazit von Peschmann. Auch der Servicegedanke spielt eine wichtige Rolle. „Wir haben mit Sven Waskönig einen festen Endkundenbetreuer. Egal um welches Thema es geht, es wird sich immer sofort darum gekümmert“, so Peschmann. SEW-Experte Waskönig ergänzt: „Mit zunehmender Integration von Elektronik, dem Abbau eigener Wartungsteams bei den Endkunden und wachsendem Mangel an Fachkräften wird die Beratungsleistung zunehmend gefragt werden.“
Für Veltins steht bereits fest, dass auch künftige Retrofit-Projekte auf dezentrale Antriebstechnik setzen werden. Denn die eingesparte Schaltschränkfläche kann am Standort sinnvoller genutzt werden. Daraus ergibt sich ein klarer Wettbewerbsvorteil in einem dynamischen Marktumfeld.