Skalierung biotechnologischer Produktionsverfahren
Gea investiert in Sarstedt vier Millionen Euro in Technologiezentrum für industrielle Biotechnologie
Montag, 06. Juli 2026
| Redaktion
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Industrielle Biotechnologie: Eröffnung Gea-Technologiezentrum für New Food & Biotech in Sarstedt, v.l.n.r.: Jens Neidhardt, VP Gea Liquid Technologies, Klaus Stojentin, CEO Gea Division Nutrition Plant Engineering, Kristina Böe, Senior VP Processing Technologie, Kristina Böe, Senior VP Processing Technologie, Heike Brennecke, Bürgermeisterin Sarstedt, Frederieke Reiners, VP New Food & Biotech und Reimar Gutte, Senior VP EMEA, Nutrition Plant Engineering
Eröffnung des neuen Gea-Technologiezentrums für New Food & Biotech in Sarstedt, v.l.n.r.: Jens Neidhardt, VP Gea Liquid Technologies, Klaus Stojentin, CEO Gea Division Nutrition Plant Engineering, Kristina Böe, Senior VP Processing Technologie, Kristina Böe, Senior VP Processing Technologie, Heike Brennecke, Bürgermeisterin Sarstedt, Frederieke Reiners, VP New Food & Biotech und Reimar Gutte, Senior VP EMEA, Nutrition Plant Engineering, Bild: Gea/Sommer & Co

Mit einer Investition von vier Millionen Euro baut Gea seine Aktivitäten des Bereichs industrielle Biotechnologie aus. Das Unternehmen hat sein Application and Technology Center (ATC) von Hildesheim nach Sarstedt verlagert und dort ein modernes Technologiezentrum eingerichtet. Lebensmittelhersteller, Zutatenproduzenten und Biotechnologieunternehmen können hier Verfahren für Präzisionsfermentation, Zellkultivierung und weitere biotechnologische Anwendungen vom Labor in den Pilotmaßstab überführen. Das Zentrum baut auf den Erfahrungen aus drei Jahren Pilotbetrieb auf und bündelt künftig Engineering, Prozessentwicklung und Pilotinfrastruktur an einem Standort.

Industrielle Biotechnologie braucht den Schritt vom Labor in die Praxis

Viele biotechnologische Verfahren liefern im Labor vielversprechende Ergebnisse. Ob daraus jedoch ein wirtschaftlich tragfähiger Produktionsprozess entsteht, entscheidet sich erst bei der Skalierung. Genau an dieser Stelle setzt das neue Technologiezentrum von Gea an. Unternehmen können dort ihre Prozesse unter realitätsnahen Bedingungen testen und wichtige Erkenntnisse für die spätere industrielle Umsetzung gewinnen.

Zum Einsatz kommen Bioreaktoren mit Volumina zwischen 50 und 500 Litern sowie sämtliche vor- und nachgelagerten Prozessschritte, von der Medienvorbereitung über Fermentation und Separation bis hin zu Filtration, hygienischer Prozessführung und Automatisierung. Dadurch lassen sich technische Risiken frühzeitig erkennen und Investitionsentscheidungen auf eine belastbare Datengrundlage stützen. „New Food und Biotechnologie brauchen Orte, an denen sich entscheidet, ob aus einem vielversprechenden Prozess eine tragfähige industrielle Anwendung werden kann“, betont Klaus Stojentin, CEO der Gea Division Nutrition Plant Engineering. „In Sarstedt verbinden wir Pilotinfrastruktur mit Engineering- und Prozesskompetenz. So können Unternehmen ihre nächsten Schritte auf belastbarere Daten stützen.“

Gea-Technologiezentrum bündelt Engineering und Pilotinfrastruktur

Mit dem Umzug nach Sarstedt rückt das Application and Technology Center unmittelbar an die bestehende Engineering-Kompetenz des Standorts heran. Bereits heute arbeiten dort rund 200 Beschäftigte in den Bereichen Engineering, Automatisierung, Vertrieb und Service. Durch den Einzug des Technologiezentrums wächst die Zahl der Mitarbeitenden auf rund 240. Für Kunden entsteht dadurch ein durchgängiger Entwicklungsprozess. Von ersten Pilotversuchen bis zur Planung einer industriellen Produktionsanlage steht ihnen dasselbe Expertenteam zur Verfügung. Das verkürzt Abstimmungswege und erleichtert die Überführung neuer Verfahren in den industriellen Maßstab.

Industrielle Biotechnologie eröffnet neue Möglichkeiten für die Lebensmittelindustrie

Präzisionsfermentation und Zellkultivierung werden häufig mit alternativen Proteinquellen für Fleisch-, Fisch- oder Milchersatzprodukte in Verbindung gebracht. Tatsächlich reicht das Anwendungsspektrum deutlich weiter. Mithilfe biotechnologischer Verfahren lassen sich unter anderem Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Aromen sowie weitere funktionelle Inhaltsstoffe herstellen, die in zahlreichen Lebensmittel- und Getränkeanwendungen eingesetzt werden. Für Hersteller gewinnen solche Verfahren zunehmend an Bedeutung. Sie eröffnen zusätzliche Rohstoffquellen und können helfen, Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten oder neue Produktkonzepte zu entwickeln. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Prozessstabilität, Wirtschaftlichkeit und regulatorische Sicherheit.

Pilotanlagen schaffen Planungssicherheit für Investitionen

Die größte Herausforderung liegt häufig nicht in der eigentlichen Fermentation, sondern im sicheren Scale-up. Erst im Pilotmaßstab zeigt sich, ob sich ein Verfahren dauerhaft reproduzieren lässt und die gewünschte Produktqualität erreicht. „Ein gutes Laborergebnis schafft Interesse. Ein belastbarer Prozess schafft Vertrauen“, sagt Frederieke Reiners, Head of New Food & Biotech bei Gea. „Manchmal ist das wichtigste Ergebnis eines Tests auch ein klares Nein, etwa wenn ein Prozess noch nicht stabil genug ist oder seine Kostenstruktur nicht trägt. Diese Erkenntnis kann Unternehmen viel Zeit und Kapital ersparen.“ Für Lebensmittelhersteller und Zutatenproduzenten bieten Pilotanlagen damit einen wichtigen Zwischenschritt, bevor größere Investitionen in Produktionskapazitäten erfolgen.

Sarstedt wird zum Kompetenzzentrum für industrielle Biotechnologie

Mit dem Ausbau des Standorts stärkt Gea seine Position als Entwicklungspartner für biotechnologische Produktionsverfahren. Das Technologiezentrum verbindet Pilotinfrastruktur mit Engineering-Know-how und unterstützt Unternehmen dabei, neue Verfahren schneller und fundierter zu bewerten. Gleichzeitig unterstreicht die Investition die wachsende Bedeutung der industriellen Biotechnologie für die Lebensmittelindustrie. Je stärker Präzisionsfermentation und andere biotechnologische Verfahren an Bedeutung gewinnen, desto wichtiger werden Einrichtungen, in denen sich Prozesse unter praxisnahen Bedingungen entwickeln und validieren lassen.

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