Mit der zunehmenden Bedeutung nachhaltiger Verpackungslösungen rücken energieeffiziente Technologien stärker in den Fokus der Industrie. Der Anlagenbauer Sidel hat mit dem Evofilm Stretchpacker eine neue Verpackungsmaschine entwickelt, die Multipacks ohne thermischen Schrumpfprozess bündelt. Statt Wärme nutzt die Maschine die mechanischen Eigenschaften moderner Stretchfolien, um stabile Packeinheiten mit definierter Spannung zu erzeugen. Die Lösung reduziert sowohl Energieverbrauch als auch Materialeinsatz deutlich und verkürzt gleichzeitig die benötigte Linienlänge. Im Zentrum der Automatisierung steht der modulare Baukasten „Movi-C“ von SEW-Eurodrive.
Verpackungsmaschine von Sidel reduziert Energie- und Materialverbrauch
Klassische Schrumpfpacker benötigen einen thermischen Prozess, bei dem die Folie erhitzt wird und sich anschließend eng um das Produkt zusammenzieht. Diese Technologie ist bewährt, erfordert jedoch einen Schrumpftunnel, zusätzliche Anlagenlänge sowie Energie für den Heizprozess. Die Verpackungsmaschine von Sidel verfolgt einen anderen Ansatz. Beim Stretchverfahren wird eine elastische Folie vorgereckt und kontrolliert um die Produktgruppe gelegt. Die gezielte Spannung sorgt dafür, dass eine formschlüssige Haltekraft entsteht.
Durch den Wegfall des Schrumpftunnels ergeben sich mehrere Vorteile:
- der Energiebedarf sinkt um mehr als 90 Prozent
- der Folienverbrauch reduziert sich um über 50 Prozent
- das Anlagenlayout wird kompakter
Da keine Hitze auf die Produkte wirkt, eignet sich das Verfahren besonders für wärmesensible Inhalte. Gleichzeitig bleibt die Transparenz der Stretchfolie erhalten, was die Produktpräsentation im Handel unterstützt.
Sidel-Verpackungsmaschine für bis zu 80 Einheiten pro Minute
Der Evofilm Stretchpacker integriert alle relevanten Prozessschritte in einer kompakten Maschinenstruktur. Dazu gehören die Zuführung und Gruppierung der Produkte, die präzise Folienabwicklung, die Applikation sowie die anschließende Übergabe an nachgelagerte Stationen.
Die Anlage erreicht Leistungen von bis zu 80 Verpackungseinheiten pro Minute. Sie lässt sich flexibel in bestehende Produktionslinien integrieren und eignet sich für unterschiedlichste Gebindeformate. Besonders bei Multipacks aus Dosen sowie PET- oder Glasflaschen zeigt die Technologie ihre Stärken. Unterschiedliche Gewichte und Oberflächen können prozessstabil verarbeitet werden, ohne dass thermische Einflüsse die Produktqualität beeinträchtigen. Auch Anwendungen in der Lebensmittelindustrie sowie bei Haushalts- und Körperpflegeprodukten profitieren von der präzisen Spannungseinbringung der Folie.
Hochsynchrone Bewegungssteuerung: Automatisierung als Rückgrat der Verpackungsmaschine
Für die Steuerung der Verpackungsmaschine setzt Sidel auf den Automatisierungsbaukasten „Movi-C“ von SEW-Eurodrive. Die Plattform verbindet Steuerung, Antriebstechnik und Applikationssoftware in einem durchgängigen System. Insgesamt arbeiten zehn Antriebe synchron zusammen und übernehmen zentrale Aufgaben wie:
- Produktgruppierung
- Folienabwicklung
- Spannungsregelung
- Umreifung der Packeinheiten
- Übergabe an die nächste Station
Diese Synchronität ist entscheidend, um Taktzeiten, Bahnprofile und Folienzugkräfte präzise einzuhalten. Zum Einsatz kommen unter anderem spielfreie Servogetriebe, dezentrale Antriebssysteme sowie kompakte Multi-Achssysteme für dynamische Bewegungen. Der zentrale Controller koordiniert Bahnprofile, Rezepturen, Zustandsüberwachung und Diagnosen.
Rezepturmanagement erleichtert Formatwechsel
Ein zentraler Bestandteil des Stretchverfahrens ist die präzise Steuerung der Folienzugkräfte. Material- und produktspezifische Parameter wie Vordehnung, Bremsmomente oder Reibwerte werden in Rezepturen hinterlegt. Beim Wechsel von Gebindeformaten können diese Parameter automatisch geladen werden. Dadurch verkürzen sich Rüstzeiten und Bedienfehler lassen sich reduzieren. Gleichzeitig unterstützt die integrierte Diagnostik eine kontinuierliche Überwachung des Prozesses.
Verpackungsmaschine unterstützt nachhaltige Produktion
Die Vorteile der Technologie zeigen sich besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Betriebskosten. Neben dem reduzierten Energieverbrauch und geringeren Materialeinsatz profitieren Betreiber auch von einem kompakteren Anlagenlayout. Durch den Wegfall thermischer Aggregate wird weniger Produktionsfläche benötigt. Zudem lassen sich recycelte Folienmaterialien einsetzen, was regulatorische Anforderungen und Nachhaltigkeitsziele unterstützt.
Integration in bestehende Produktionslinien
Aufgrund modularer Architektur und standardisierter Schnittstellen lässt sich die Verpackungsmaschine von Sidel sowohl in neue Anlagenkonzepte als auch in bestehende Produktionslinien integrieren. Die Lösung kann mit Fördertechnik, Inspektionssystemen, Kennzeichnungseinheiten oder Palettierern kombiniert werden. Auch Retrofit-Projekte profitieren davon, da bestehende Schrumpfsysteme ersetzt und gleichzeitig Energieverbrauch und Platzbedarf reduziert werden können.
Verpackungsmaschine: Perspektive für nachhaltige Sekundärverpackung
Mit dem Evofilm Stretchpacker verfolgt Sidel einen Ansatz, der mechanische Präzision, Automatisierung und Ressourceneffizienz verbindet. Die Kombination aus hochsynchroner Antriebstechnik, rezepturgesteuerter Prozessführung und energieoptimierter Maschinenarchitektur ermöglicht stabile Verpackungsprozesse bei gleichzeitig reduziertem Material- und Energieeinsatz.
Für Hersteller von Getränken, Lebensmitteln oder Konsumgütern bietet diese Technologie eine Alternative zu klassischen Schrumpfverpackungen und unterstützt den Übergang zu nachhaltigeren Verpackungskonzepten.
Autorin
Andrea Balser
Referentin Fachpresse bei SEW‑Eurodrive