In der Lebensmittelproduktion entstehen körperliche Belastungen oft nicht durch einzelne schwere Arbeitsschritte, sondern durch ihre ständige Wiederholung. Bei der Gewürzmühle Brecht in Eggenstein-Leopoldshafen betrifft das vor allem das Heben, Umfüllen und Dosieren von Rohstoffen. Um die Mitarbeitenden im Produktionsalltag zu entlasten, setzt das Unternehmen auf ein Exoskelett von Schmalz. Brecht produziert Kräuter und Gewürzmischungen in Bio-Qualität für Handel und Endverbraucher. Das Sortiment umfasst mehrere hundert Artikel. Trotz etablierter Produktionsabläufe bleiben viele Tätigkeiten manuell geprägt, insbesondere dort, wo Säcke, Kartonagen oder Fässer bewegt und Rohstoffe in Misch- und Mahlbehälter eingebracht werden.
Hohe Belastung durch manuelle Prozessschritte
Pro Schicht heben die Beschäftigten rund 50 Säcke und Kartonagen mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht. Hinzu kommen Kunststofffässer mit 60 oder 120 Litern Fassungsvermögen. Auch die Mischprozesse erfordern Ausdauer: Mehrere 100 Mal täglich bewegen Mitarbeitende bis zu drei Kilogramm schwere Handschaufeln, um Zutaten zu entnehmen, zu sieben und umzufüllen. Diese wiederkehrenden Tätigkeiten können den Bewegungsapparat stark beanspruchen. Brecht verzeichnete im Quartal durchschnittlich fünf krankheitsbedingte Ausfalltage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen. Operation Manager Dominik Bittmann suchte deshalb nach einer Lösung, die Beschäftigte spürbar entlastet und gleichzeitig den Produktionsfluss unterstützt. „Unser Ziel war, die Gesundheit unserer Beschäftigten zu schonen. Als positiven Nebeneffekt erwarteten wir eine Steigerung der Produktivität“, sagt er.
Mechanisches Exoskelett unterstützt Bewegungsabläufe
Schmalz lieferte mit dem „MATE UTB“ ein Oberkörper-Exoskelett für Tätigkeiten mit erhobenen Armen und häufigen Wiederholbewegungen. Das Assistenzsystem arbeitet rein mechanisch und benötigt weder Batterien noch Druckluft. Es nimmt Energie beim Absenken der Arme auf und gibt sie beim Anheben wieder ab. Die Konstruktion kombiniert Carbonfaser-Elemente mit textilen Komponenten. Dadurch bleibt das Exoskelett leicht und schränkt die Bewegungsfreiheit nicht ein. Es lässt sich an Körpergröße und Arbeitsweise anpassen. Abnehmbare Gurte und Polster erleichtern zudem die Reinigung, ein wichtiger Punkt für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion.
Akzeptanz für Exoskelett entsteht im Praxistest
Vor der Einführung testeten die Mitarbeitenden das Exoskelett direkt am Arbeitsplatz. Dieser praktische Ansatz war für die Entscheidung wesentlich, da ergonomische Assistenzsysteme nur dann wirken, wenn sie im Alltag akzeptiert werden. „Dabei beeindruckte der Vorher-Nachher-Unterschied die Kolleginnen und Kollegen sofort“, erinnert sich Dominik Bittmann. Das „MATE UTB“ lässt sich schnell anlegen und ohne aufwendige Schulung nutzen. Dadurch konnte das System unmittelbar in die täglichen Abläufe integriert werden.
Produktivität steigt mit Einsatz von Exoskelett
Die Effekte zeigen sich bereits in der Produktion. Die Zahl der Hebevorgänge bei Säcken und Kartonagen stieg pro Acht-Stunden-Schicht von 50 auf 60. Bei Schaufelbewegungen erhöhte sich die Zahl im gleichen Zeitraum von 700 auf 800. Gleichzeitig verkürzte sich die Dauer einzelner Bewegungen. Für Kartonagen und Säcke sank sie von drei auf zwei Sekunden, bei Schaufelbewegungen von zwei auf eine Sekunde. Auch die Prozessqualität verbesserte sich: Die Zahl fehlerhafter Hebevorgänge sank von durchschnittlich 30 pro Schicht auf null. Zu den langfristigen Auswirkungen auf krankheitsbedingte Ausfälle liegen nach der bisherigen Einsatzzeit noch keine belastbaren Daten vor. Dennoch bewertet Brecht den Einsatz positiv. Dominik Bittmann fasst abschließend zusammen: „Uns gefallen die einfache Anwendung und der flexible Einsatz bei den täglichen Aufgaben. Die Mitarbeitenden werden spürbar entlastet und unsere Produktivität ist auch gestiegen.“