Der Auftragseingang im Maschinenbau ist im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat real um zwei Prozent gestiegen. Die Auslandsbestellungen legten um vier Prozent zu und glichen damit den erneuten Rückgang der Inlandsorders aus. Aus Deutschland gingen drei Prozent weniger Bestellungen ein als ein Jahr zuvor. Innerhalb des Auslandsgeschäfts entwickelten sich insbesondere die Bestellungen aus den Nicht-Euro-Ländern positiv. Sie stiegen um fünf Prozent. Aus den Ländern des Euroraums kamen ein Prozent mehr Aufträge.
Auftragseingang im Maschinenbau profitiert vom Export
Für den VDMA bestätigt die Entwicklung im Juli die Bedeutung des Exportgeschäfts für die Branche. Gleichzeitig bewertet der Verband die weiterhin schwache Investitionstätigkeit in Deutschland kritisch. „In Deutschland wird unverändert viel zu wenig investiert. Auch deshalb, weil die Bundesregierung die angekündigten Reformen zur Stärkung des Standorts Deutschland bislang nicht konsequent umgesetzt hat. Der Maschinenbau zeigt allerdings wieder einmal seine Stärke im Exportgeschäft. Die positive Entwicklung der Auslandsbestellungen spiegelt das zuletzt verbesserte Geschäftsklima wider und ist insgesamt ein erfreuliches Signal für unsere Branche", erklärt Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des VDMA.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatszeitraum von Mai bis Juli 2026 aus. Insgesamt erhöhten sich die Bestellungen real um acht Prozent. Während die Inlandsorders um ein Prozent zurückgingen, legten die Auslandsaufträge um elf Prozent zu. Dabei stiegen die Bestellungen aus Nicht-Euro-Ländern um 23 Prozent, aus den Euro-Ländern kamen dagegen 13 Prozent weniger Aufträge. Von Januar bis Juli 2026 verbuchte der Maschinen- und Anlagenbau insgesamt ein reales Auftragsplus von fünf Prozent.
VDMA fordert stärkere Wettbewerbsfähigkeit in Europa
Die Entwicklung der Bestellungen verbindet der Verband mit Forderungen nach besseren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Neben Deutschland rückt dabei die Europäische Union in den Mittelpunkt. Der VDMA sieht europäische Industrieunternehmen im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck und fordert, die Wettbewerbsfähigkeit stärker in den Mittelpunkt der EU-Politik zu stellen. Aus Sicht des Verbands reichen die bisher angekündigten Vereinfachungen bei der Regulierung nicht aus, wenn gleichzeitig zusätzliche Berichts- und Compliance-Anforderungen entstehen. Als zentrale Handlungsfelder nennt der VDMA weniger Bürokratie, einen besser funktionierenden Binnenmarkt und zusätzliche Freihandelsabkommen.
Auftragseingang im Maschinenbau trifft auf Investitionsdebatte
Besondere Bedeutung misst der Verband den Investitionsbedingungen bei. Nach seiner Einschätzung erwägen Unternehmen zunehmend, Investitionen außerhalb Europas vorzunehmen. Für den Maschinenbau mit rund drei Millionen Beschäftigten in der Europäischen Union seien deshalb verlässliche und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen erforderlich. VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann fordert: „Die Kommission muss die Wettbewerbsfähigkeit Europas wieder zur Top-Priorität machen und Regulierung eindämmen. Dazu braucht es eine klare Ansage der Kommissionspräsidentin in ihrer State-of-the-Union-Rede." Als Orientierung nennt der Verband den Bericht von Mario Draghi zur Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Nach Angaben des VDMA wurde bislang rund ein Drittel der darin geforderten Maßnahmen auf den Weg gebracht.
Binnenmarkt und Regulierung bleiben zentrale Themen
Handlungsbedarf sieht der VDMA auch im europäischen Binnenmarkt. Nationale Vorgaben erschwerten weiterhin unter anderem die Entsendung von Beschäftigten sowie Investitionen und Innovationen. Parallel fordert der Verband eine konsequentere Marktüberwachung bei Produkten, die europäische Anforderungen nicht erfüllen. Dies betreffe insbesondere den internationalen Wettbewerb mit China. Kritisch bewertet der VDMA zudem mögliche zusätzliche regulatorische Belastungen. Dazu gehört die geplante Ausweitung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM auf nachgelagerte Stahl- und Aluminiumprodukte. Nach Einschätzung des Verbands könnten dadurch zusätzliche Produkte erfasst und neue Kosten sowie Pflichten für Unternehmen entstehen. Auch beim Critical Raw Materials Act warnt der Verband vor zusätzlichen Berichts- und Informationspflichten. Versorgungssicherheit müsse insbesondere für mittelständische Unternehmen mit praktikablen Vorgaben verbunden werden.
EU-Verpackungsverordnung beschäftigt den Maschinenbau
Ein weiteres Thema ist die EU-Verpackungsverordnung PPWR. Sie wurde nach Einschätzung des VDMA vor allem mit Blick auf Konsumgüterverpackungen entwickelt, wirkt sich jedoch ebenfalls auf industrielle Prozesse aus. Der Verband fordert deshalb Anpassungen, um zusätzliche Kosten für Industrieunternehmen zu begrenzen. Grundsätzlich spricht sich der VDMA dafür aus, neue europäische Regulierung stärker auf ihre Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu prüfen. „Nur, was auf die Wettbewerbsfähigkeit von Europas Industrie einzahlt, darf Bestand haben", betont Brodtmann.
Der positive Auftragseingang im Maschinenbau zum Start der zweiten Jahreshälfte trifft damit auf weiterhin unterschiedliche Entwicklungen zwischen Inlands- und Auslandsgeschäft. Während die Exportbestellungen im Juli für Wachstum sorgten, bleibt die schwache Nachfrage aus Deutschland aus Sicht des Branchenverbands ein wesentliches wirtschaftspolitisches Thema.