Die Stimmung im Mittelstand hat sich im August deutlich aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex der kleinen und mittleren Unternehmen stieg gegenüber dem Vormonat um 4,5 Zähler auf minus 12,5 Punkte. Damit verbesserte sich der Wert zum vierten Mal hintereinander. Trotz dieser Entwicklung liegt der Index weiterhin unter der Nulllinie, die den langfristigen Durchschnitt markiert. Grundlage sind die Ergebnisse des KfW-Ifo-Mittelstandsbarometers. Für die monatliche Erhebung werden mehr als 9.500 Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Die Auswertung unterscheidet dabei nach Unternehmensgrößen.
Geschäftserwartungen im Mittelstand hellen sich auf
Zur Verbesserung des Geschäftsklimas trugen sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bei. Letztere entwickelten sich stärker als die Lagebeurteilung. Damit nimmt die Zuversicht der Unternehmen zu, auch wenn das Geschäftsklima insgesamt noch unter seinem langjährigen Durchschnitt liegt. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den Großunternehmen. Deren Geschäftsklimaindex legte im August um 4,9 Zähler zu und erreichte ebenfalls minus 12,5 Punkte.
Verarbeitendes Gewerbe treibt die Entwicklung
Die bessere Stimmung geht sowohl bei kleinen und mittleren Unternehmen als auch bei Großunternehmen vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe und vom Großhandel aus. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den Exporterwartungen aus, die im Rahmen der Ifo-Umfrage ausschließlich im Verarbeitenden Gewerbe erhoben werden. Bei kleinen und mittleren Industrieunternehmen stieg der entsprechende Index um 8,2 Zähler auf minus 1,7 Punkte. Bei den Großunternehmen erhöhte er sich um 21,4 Zähler und erreichte plus 8,6 Punkte. Damit rechnen insbesondere größere Industrieunternehmen wieder stärker mit einer positiven Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts.
Exporterwartungen im Mittelstand steigen deutlich
Das Ifo Institut führt die bessere Einschätzung unter anderem auf die Entwicklung der deutschen Ausfuhren in die Europäische Union zurück. Einen ausgeprägten Exportoptimismus beobachtet es zudem bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen. Nach Einschätzung der KfW könnte sich darin auch die weltweit steigende Nachfrage nach Ausrüstung für künstliche Intelligenz widerspiegeln. Diese Entwicklung könnte die bereits gute Auftragslage in Teilen der Digitalisierungsbranche zusätzlich unterstützen.
KfW hebt Wachstumsprognose für Deutschland an
Parallel zur besseren Unternehmensstimmung bewertet die KfW die gesamtwirtschaftliche Entwicklung positiver. Für das laufende Jahr hat sie ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,1 Prozent angehoben. Für 2027 erwartet sie ein Wachstum von 1,5 Prozent. „Die deutsche Wirtschaft hat sich in diesem Jahr deutlich robuster gezeigt als erwartet. Die Unternehmen haben die Auswirkungen der Nahost-Konflikte und der handelspolitischen Reibereien besser verkraftet als zu befürchten gewesen war. Eine vorsichtige Zuversicht kehrt nun in viele Unternehmen zurück. Sie schauen positiver als noch vor einigen Monaten auf ihre aktuelle Lage und künftige Geschäftsentwicklung. Die wirtschaftliche Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir haben unsere Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr auf 1,1 Prozent angehoben, für 2027 erwarten wir nun ein Plus von 1,5 Prozent“, sagt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Die aktuellen Werte deuten damit auf eine zunehmende Zuversicht im Mittelstand hin. Ob sich die verbesserten Erwartungen in den kommenden Monaten auch in einer nachhaltig besseren Geschäftslage niederschlagen, bleibt angesichts des weiterhin unterdurchschnittlichen Geschäftsklimas offen.