Steigende Produktvielfalt, häufigere Rezepturwechsel und strengere Anforderungen beim Umgang mit Allergenen erhöhen den Reinigungsaufwand in der Schokoladenproduktion. Vor diesem Hintergrund gewinnt Hygienic Design als Konstruktionsprinzip an Bedeutung. Durch eine gute Zugänglichkeit der Anlagen, leicht zu reinigende Oberflächen und werkzeuglos demontierbare Komponenten lassen sich Reinigungszeiten deutlich reduzieren. Thomas Hähn, Vertriebsleiter Prozess- und Formanlagen bei Sacmi Packaging & Chocolate, erläutert im Interview mit LMV-online.de, wie ein hygienefreundliches Maschinendesign die Effizienz steigert und Herstellern mehr Flexibilität bei der Einführung neuer Produkte verschafft.
Die deutsche Schokoladenindustrie erfüllt extrem hohe Hygienestandards und die Produktsicherheit gilt allgemein als erstklassig. Also alles gut in Sachen Hygienic Design?
Tatsächlich sind die Standards hoch. Allerdings stehen die Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Sie müssen immer mehr verschiedene Produkte auf ihren Anlagen verarbeiten und gleichzeitig werden die regulatorischen Anforderungen hinsichtlich der Allergene strenger. In der Konsequenz steigt die Reinigungsfrequenz. Nun machen sich Konstruktionsnachteile wie schlechte Zugänglichkeit und ein Design, das Ablagerungen begünstigt, deutlich bemerkbar. Gerade bei älteren und komplexeren Anlagen dauert die Reinigung oftmals 15 bis 20 Stunden und da sehen wir natürlich viel Optimierungspotenzial bei der Industrie.
Welche Konstruktionsmerkmale erweisen sich als „Zeitsparer“?
Bei Schokoladen-Formanlagen beispielsweise kommt es auf gute Zugänglichkeit zu allen Maschinenkomponenten an. Die Anschlüsse von Elektronik und Medien wie Pneumatik, Wasser etc. sollten niemals unterhalb produktführender Bänder liegen und sie müssen ausreichend Abstand zum Anlagengestell haben. Grundsätzlich sind produktberührende Bauteile so zu konzipieren, dass sie werkzeuglos ein- und ausgebaut werden können. Diese Merkmale sparen viel Zeit bei der Reinigung der Anlage.
Was zeichnet ein hygienefreundliches Maschinendesign noch aus?
Schmutzstellen sollten für die Anwender direkt erkennbar und leicht zu reinigen sein. Sacmi verfolgt daher ein Anlagenkonzept mit großen transparenten Türen, glatten Oberflächen und beleuchteten Modulen. Darüber hinaus verhindern Einhausungen das Eindringen von Staub und anderen Fremdstoffen. Diese Features bedeuten für den Bediener eine enorme Vereinfachung.
Haben Sie ein Beispiel aus der Praxis, wie Hersteller von Hygienic Design profitieren?
Denken Sie an die Dubai-Schokolade. Sie wurde durch einen viralen Hype schlagartig populär und auch deutsche Schokoladenhersteller wollten das Produkt in ihr Sortiment aufnehmen. Allerdings erfordert die Produktion hohe Hygienestandards, denn die enthaltene Pistazienbutter ist ein Allergen. Nur Unternehmen mit dem entsprechenden Maschinenpark konnten ihre Pläne schnell in die Tat umsetzen.