Steigende Rohstoffpreise, instabile Märkte und neue regulatorische Anforderungen stellen die Lebensmittel- und Süßwarenindustrie vor Herausforderungen. Gleichzeitig treiben Themen wie hygienegerechte Produktion, nachhaltige Verpackungen und Automatisierung die Branche voran. Sacmi Packaging & Chocolate positioniert sich in diesem Spannungsfeld mit einer klaren Strategie, die von gezielten Akquisitionen bis hin zu neuen Technologien für Verarbeitung und Verpackung reicht. Im exklusiven Business-Lunch-Interview mit LMV-online.de gibt Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH, Einblicke in Markttrends und die Unternehmensstrategie. Er verrät, welche Neuheiten auf der Interpack 2026 Premiere feiern werden, und beschreibt sein besonderes Führungsverständnis.
1. Amuse-Gueule: Sacmi ist als Genossenschaft organisiert und agiert in einem volatilen Marktumfeld. Wie beeinflusst das Ihre strategische Ausrichtung?
Die Genossenschaftsstruktur sorgt bei Sacmi für eine langfristige und stabile strategische Ausrichtung. Entscheidungen werden nicht kurzfristig angepasst, sondern orientieren sich an nachhaltigen Zielen und klar definierten Unternehmenswerten. Im Mittelpunkt stehen kontinuierliche Forschung und Entwicklung sowie die enge Zusammenarbeit mit Kunden.
Gerade in einem herausfordernden Marktumfeld, das durch schwankende Rohstoffpreise, geopolitische Unsicherheiten und ein verändertes Konsumverhalten geprägt ist, erweist sich dieser Ansatz als vorteilhaft. Die Nachfrage in der Süßwarenindustrie ist stark vom Konsum abhängig, was die Planung erschwert. Umso wichtiger ist eine Strategie, die Stabilität bietet und nicht auf kurzfristige Schwankungen reagiert.
2. Vorspeise: In letzter Zeit hat Sacmi gezielt Unternehmen übernommen. Welche Rolle spielen diese Akquisitionen für Ihre Strategie?
Nach dem Verkauf der Beverage-Sparte wurde der Bereich Packaging als zentrales Zukunftsfeld definiert und gezielt ausgebaut. Akquisitionen folgen dabei klaren strategischen Kriterien. Einerseits geht es um global skalierbare Produkte, andererseits um eine stärkere regionale Präsenz in wichtigen Märkten. Ein Beispiel ist die Übernahme eines französischen Unternehmens mit einer etablierten Vertriebs- und Serviceorganisation. Dadurch konnte Sacmi seine Marktpräsenz gezielt ausbauen und gleichzeitig sein Portfolio im Bereich der Sekundärverpackung erweitern, insbesondere im mittleren Leistungssegment, das bisher weniger stark abgedeckt war. Damit reagiert Sacmi auch auf die steigenden Anforderungen der Lebensmittelindustrie an regionale Verfügbarkeit, schnellen Service und eine hohe Anlagenverfügbarkeit. Gerade im Wettbewerb mit kostengünstigeren Anbietern ist ein leistungsfähiger Kundendienst ein entscheidender Differenzierungsfaktor.
3. Zwischengang: Die PPWR stellt neue Anforderungen an Verpackungslösungen. Wie begegnet Sacmi diesen konkret?
Die zunehmende Regulierung durch die PPWR treibt die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen deutlich voran. Sacmi setzt dabei auf Flexibilität und eine enge Zusammenarbeit mit Kunden und Materialherstellern. Ein zentraler Baustein ist eine eigene Laboranlage im Entwicklungszentrum, in der regelmäßig Tests mit unterschiedlichen Materialien durchgeführt werden. Dabei geht es unter anderem um Fragen der Siegeltechnologie, Barriereeigenschaften und der Verarbeitbarkeit unter realen Produktionsbedingungen. Gleichzeitig müssen Verpackungslösungen nicht nur nachhaltig sein, sondern auch die Anforderungen der Lebensmittelverarbeitung erfüllen, etwa in Bezug auf Produktschutz, Haltbarkeit und Prozesssicherheit.
Insbesondere bei faserbasierten Materialien bestehen technisch noch Herausforderungen. So dürfen beispielsweise wasserbasierte Dispersionsbarrieren im Formprozess nicht beschädigt werden. Hierfür haben wir bereits Lösungen entwickelt, etwa durch materialschonende Werkzeuge und angepasste Prozesse. Ein weiterer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung von Heißsiegelverfahren. Das Ziel besteht darin, langfristig auf zusätzliche Beschichtungen zu verzichten und dennoch hohe Produktionsgeschwindigkeiten zu erreichen. In diesem Bereich besteht weiterhin Entwicklungsbedarf.
Gleichzeitig verändern sich auch die Anforderungen der Markenhersteller. Neben Nachhaltigkeit spielen Optik, Haptik und Benutzerfreundlichkeit eine zentrale Rolle. Verpackungen müssen funktional sein und gleichzeitig am Point of Sale überzeugen.
4. Hauptgang: Welche Rolle spielt die Interpack für Sacmi und welche Themen stehen 2026 im Fokus?
Trotz steigender Kosten bleibt die Interpack für Sacmi eine der wichtigsten Plattformen im internationalen Wettbewerb. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre Besucherstruktur aus. Der Anteil an Entscheidern ist hoch. Hier geht es weniger um konkrete Projektabschlüsse als vielmehr um Vertrauen, langfristige Partnerschaften und die Positionierung als Technologielieferant. Gleichzeitig wird der Aufwand von vielen Unternehmen zunehmend hinterfragt, da Innovationen heute unabhängig von Messezyklen auf den Markt kommen.
Für Sacmi Packaging & Chocolate ist die Interpack 2026 dennoch ein zentrales Ereignis. Nach der strategischen Neuausrichtung und dem Verkauf des Rigid-Packaging-Bereichs rücken die Bereiche Verpackung und insbesondere Schokolade stärker in den Fokus, was sich in einem deutlich größeren Messestand widerspiegelt.
Inhaltlich wollen wir technologische Weiterentwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorstellen. Im Bereich der Schokoladenverarbeitung wird eine neue Lösung für die Herstellung der Schokoladenmasse gezeigt. Bei der Formung von Schokoladentafeln oder Pralinen steht ein Thema besonders im Mittelpunkt: Hygiene. Die Anforderungen an Reinigungsprozesse sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, nicht zuletzt durch die zunehmende Variantenvielfalt in der Lebensmittelproduktion und den Umgang mit Allergenen. Während herkömmliche Anlagen oft lange Reinigungszeiten erfordern, hat Sacmi dafür gesorgt, diese Prozesse deutlich effizienter zu gestalten, Stillstandszeiten zu reduzieren und die Flexibilität bei häufigen Produktwechseln in der Süßwarenfertigung zu erhöhen.
Auch im Bereich der Verpackung verschieben sich die Schwerpunkte. In der Primär- und Sekundärverpackung stehen zunehmend Automatisierung und Effizienzsteigerung im Mittelpunkt, um die Produktionskosten zu reduzieren. Hier kommen beispielsweise Cobots zum Einsatz. Gleichzeitig rückt das Thema nachhaltige Verpackung stärker in den Fokus. Insbesondere faserbasierte Materialien gewinnen an Bedeutung, auch vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen wie der PPWR. Sacmi versteht sich in diesem Kontext als Integrator, der neue Materialien in bestehende Prozesse überführt und diese gemeinsam mit Kunden weiterentwickelt.
5. Dessert: Sie gelten als Führungspersönlichkeit mit hoher Mitarbeiterbindung. Was zeichnet Ihren Führungsstil aus?
Der Führungsstil bei Sacmi ist stark von den Werten unseres genossenschaftlichen Unternehmens geprägt. Im Mittelpunkt stehen dabei Loyalität, Integrität, Vertrauen und Zusammenarbeit. Wir möchten ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich Mitarbeitende entfalten und langfristig mit dem Unternehmen identifizieren können. Dafür ist es entscheidend, Verantwortung zu übertragen und gleichzeitig eine Kultur des Respekts zu fördern. Gelingt es, diese Rahmenbedingungen zu schaffen, entstehen hohe Motivation und Bindung als wichtige Grundlagen für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Herr Hahnenkamp, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch und die Vorschau auf die Messe-Premieren von Sacmi auf der Interpack 2026!
Redaktioneller Hinweis: Sie finden Sacmi auf der Interpack in Düsseldorf in Halle 4, Stand E05/F05.