Wasseraufbereitung von Grünbeck verbindet Trinkwasserqualität mit der Nutzung von Solarstrom
Schlosskellerei Affaltrach macht Brunnenwasser mit Umkehrosmose nutzbar
Donnerstag, 27. August 2026
| Redaktion
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Zwei Umkehrosmoseanlagen entsalzen in der Schlosskellerei Affaltrach das Wasser. Im Bild hinten links auch die Membranentgasungsanlage zur pH-Wert-Anhebung nach der Umkehrosmose mit integrierter Druckerhöhungsanlage sowie Steriltanks
Zwei Umkehrosmoseanlagen entsalzen in der Schlosskellerei Affaltrach das Wasser. Im Bild hinten links auch die Membranentgasungsanlage zur pH-Wert-Anhebung nach der Umkehrosmose mit integrierter Druckerhöhungsanlage sowie Steriltanks, Bild: Grünbeck

Eine neue Wasseraufbereitung ermöglicht der Schlosskellerei Affaltrach, eigenes Brunnenwasser für sämtliche betrieblichen Anwendungen einzusetzen. Zentrale Bestandteile der Anlage sind Filtrationssysteme und die Umkehrosmose. Gleichzeitig nutzt der Wein- und Sekthersteller seinen Solarstrom gezielter, indem die Wasseraufbereitung bei entsprechendem Energieangebot zusätzliche Mengen produziert und diese für den späteren Bedarf speichert.

Umkehrosmose schafft die Basis für eine autarke Wasserversorgung

Mehr als zehn Millionen Flaschen Wein und Sekt entstehen jährlich am Standort der Schlosskellerei Affaltrach im Kreis Heilbronn. Dafür verarbeitet der Betrieb etwa 6.500 Tonnen Trauben aus dem eigenen Weingut mit 60 Hektar Rebfläche sowie aus den Anbauflächen einer Erzeugergemeinschaft. Die Wasserversorgung erfolgte bislang aus zwei Quellen: Brunnenwasser diente vor allem zum Reinigen und Kühlen, während für weitere Prozesse Wasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz benötigt wurde.

Diese Aufteilung sollte mit der Neuordnung der Versorgung im Jahr 2025 entfallen. Ein Grund dafür waren die Eigenschaften des vorhandenen Brunnenwassers. Eine Gesamthärte zwischen 80 und 100 Grad deutscher Härte, eine hohe Leitfähigkeit sowie Sulfat und weitere Störstoffe führten zu Ablagerungen in Kühlanlagen und Lagerbehältern. Daraus resultierten zusätzlicher Reinigungs- und Instandhaltungsaufwand sowie Beeinträchtigungen der Anlagenverfügbarkeit.

Filtration und Umkehrosmose übernehmen die Wasseraufbereitung

Gemeinsam mit der Grünbeck-Werksvertretung Wassertechnik Now entwickelte die Schlosskellerei ein mehrstufiges Aufbereitungskonzept. Zwei Mehrschichtfilter „filtraliQ:LA 24000“ entfernen zunächst ungelöste Schmutzstoffe. Anschließend übernehmen zwei Umkehrosmoseanlagen „osmoliQ:LB“ mit Doppel-Antiscalant-Dosierung die Entsalzung. Ihre maximale Leistung beträgt 25.000 Liter pro Stunde. Nach der Umkehrosmose hebt eine Membranentgasungsanlage „GENO-MEC 25000 2 S“ den pH-Wert an.

Bei der Umkehrosmose wird das Rohwasser unter hohem Druck durch eine halbdurchlässige Membran geführt. Während hauptsächlich Wassermoleküle passieren, verbleiben unter anderem Salze, Kalk, Schwermetalle, Partikel und gelöste organische Substanzen im Konzentrat. Das aufbereitete Permeat weist laut Anbieter noch einen Restsalzgehalt von ein bis fünf Prozent auf. Auch die Antiscalant-Dosierung hat eine konkrete Aufgabe: Sie soll verhindern, dass sich die im Konzentrat angereicherten Härtebildner frühzeitig ablagern und die Membran beeinträchtigen. Auf diese Weise lässt sich die Wasserausbeute erhöhen.

Umkehrosmose und Photovoltaik werden gemeinsam betrieben

Nach der Aufbereitung gelangt das Wasser in einen Edelstahltank mit einem Fassungsvermögen von 75.000 Litern. Von dort versorgen eine Druckerhöhungsanlage „GENO-FU 22/40-2N“ und eine Chlordioxiderzeugungsanlage die verschiedenen Entnahmestellen. Für die Nutzung als Kesselspeisewasser senkt eine Enthärtungsanlage „Delta-p“ die verbleibende Härte zusätzlich auf weniger als 0,1 Grad deutscher Härte.

Die Wasserspeicherung übernimmt zugleich eine Funktion im Energiemanagement. Liefert die Photovoltaikanlage mehr elektrische Energie, als der Betrieb unmittelbar benötigt, kann die Wasseraufbereitung zusätzliche Mengen erzeugen. Diese werden im Tank bevorratet und stehen anschließend auch in Zeiten mit geringerer Solarstromproduktion zur Verfügung. Ergänzend ist ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 500 Kilowattstunden installiert. Seit der Inbetriebnahme der Wasseraufbereitung erhöhte sich nach Angaben der Schlosskellerei der Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms um mehr als 20 Prozent.

Anlagentechnik an vorhandene Räume angepasst

Für die Integration in den bestehenden Betrieb verteilte Wassertechnik Now die Komponenten auf zwei vorhandene Räume. Dadurch konnten bestehende Leitungsstrukturen weitgehend weitergenutzt und bauliche Veränderungen begrenzt werden. Bei einer Anlage wurde zudem die Geometrie angepasst, damit sie durch eine vorhandene Deckenöffnung in einen Keller mit Gär- und Lagertank eingebracht werden konnte.

Die vorbereitenden Arbeiten und die Inbetriebnahme im November 2025 erfolgten nach Angaben der Beteiligten weitgehend ohne Unterbrechung der laufenden Produktion. Das aufbereitete Brunnenwasser kann inzwischen für Anwendungen von der Behälterreinigung bis zur Getränkeherstellung eingesetzt werden. Die Trinkwasserqualität lässt die Schlosskellerei durch ein externes Labor kontrollieren.

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