Zwischen Produktschutz, Recycling und Kostendruck
Interpack 2026 stellt zukunftsfähige Lebensmittelverpackungen vor
Montag, 02. März 2026
| Redaktion
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Lebensmittelverpackungen: Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR schreibt u.a. verbindliche Recyclingquoten und den verstärkten Einsatz von Rezyklaten wie PET vor
Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR schreibt u.a. verbindliche Recyclingquoten und den verstärkten Einsatz von Rezyklaten wie PET vor, Bild: LMV-online.de / Susanne Woggon

Lebensmittelverpackungen stehen heute vor komplexen Anforderungen: Sie müssen Produkte zuverlässig schützen, gleichzeitig Material einsparen, recyclingfähig sein und strenge regulatorische Vorgaben erfüllen. Denn gerade im Lebensmittelbereich entscheidet die Verpackung maßgeblich über Haltbarkeit, Hygiene, Transportfähigkeit und Produktsicherheit. Moderne Lebensmittelverpackungen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wie neuartige, recyclingfähige und automatisierte Lebensmittelverpackungen in der Praxis aussehen, zeigen internationale Aussteller auf der Interpack vom 07. bis 13. Mai 2026 in Düsseldorf. 

Laut dem „Food Waste Index Report 2024“ des UN-Umweltprogramms (UNEP) werden weltweit rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr verschwendet. Diese Verluste verursachen nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern sind auch für acht bis zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Initiativen wie „SAVE FOOD“, die von der Interpack gemeinsam mit Industriepartnern ins Leben gerufen wurden, haben das Bewusstsein für diese Zusammenhänge geschärft. Heute stehen konkrete technologische Lösungen für nachhaltige Lebensmittelverpackungen im Mittelpunkt.

Recyclingfähige Lebensmittelverpackungen im regulatorischen Fokus

Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR steigen die Anforderungen an Recyclingquoten, Rezyklateinsatz und Abfallvermeidung deutlich. Insbesondere der Einsatz von Rezyklaten im direkten Lebensmittelkontakt gilt als anspruchsvoll. Eine erste europäische Recyclinganlage erhielt jüngst eine Recyclass-Zertifizierung für die Sortierung lebensmitteltauglicher Kunststoffe. Swedish Plastic Recycling verarbeitet PET-Flaschen, PET-Trays und PS-Verpackungen aus Haushaltsabfällen vollständig rückverfolgbar, von der Sammlung bis zur Aufbereitung. Im Forschungsprojekt „CRISP“ wird zudem an Lösungen für lebensmitteltaugliches Recycling von PE und PP gearbeitet.

Auch Materialhersteller reagieren: WIS Kunststoffe bietet rPE- und rPP-Materialien mit FDA-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt an. Diese erfüllen bereits die PPWR-Anforderungen für 2030. Mopack verfolgt mit der „eco+35“-Serie einen chemischen Recyclingansatz. Die Polyolefin-Feinschrumpffolien enthalten 35 Prozent chemisch recyceltes PCR-Material und zeichnen sich durch hohe Homogenität, klare Optik und stabile Verarbeitung aus. Seit März 2025 liegt hierfür eine Dekra-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt vor.

Neue Verpackungskonzepte für nachhaltige Lebensmittelverpackungen

Nachhaltigkeit in der Lebensmittelverpackung beginnt nicht nur beim Material, sondern auch beim Design. Gea präsentiert eine Mehrkammerverpackung für Aufschnitt mit zwei separat versiegelten Frischekammern. Das Konzept ermöglicht portionsweises Öffnen und reduziert den Kunststoffverbrauch um mehr als 70 Prozent gegenüber klassischen Blisterlösungen. Produziert wird auf einer vollautomatischen Linie. Ulma Packaging entwickelt Flowpack- und Traysealer-Systeme für recyclingfähige Monomaterialien sowie papier- und kartonbasierte Trays. Die vertikale Hochleistungsmaschine „VTC 800“ verarbeitet beispielsweise geschnittene Salate und Gemüsemischungen automatisiert und materialeffizient. Multivac kombiniert nachhaltige Verpackungslösungen mit Automatisierung: Eine neue Traysealerlinie versiegelt Kartontrays mit dünner, recyclingfähiger Folie unter Schutzatmosphäre. Ergänzend kommen KI-gestützte Inspektionssysteme, Etikettenkontrollen und Cobots für das automatische Stapeln zum Einsatz.

Höheren Hygieneanforderungen beflügelt Automatisierung

Mit steigender Produktvielfalt und höheren Hygieneanforderungen gewinnt die Automatisierung weiter an Bedeutung. Stäubli Robotics bietet HE-Roboter (Humid Environment), die auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig arbeiten. In der Fleischverarbeitung übernehmen beispielsweise „TX2“-Roboter Schneidprozesse per Wasserstrahl. Visionsysteme ermöglichen zudem eine präzise Hochgeschwindigkeitshandhabung empfindlicher Produkte. Ishida hat sein Portfolio durch die Übernahme von Robotgrader erweitert. Das Angebot umfasst robotergestützte Wiege-, Sortier- und Verpackungssysteme für Fleisch-, Geflügel-, Fisch- und Proteinprodukte. Ziel ist eine präzise und automatisierte Verpackung von Frischwaren in Schalen.

Papierbasierte Lebensmittelverpackungen und faserbasierte Barrieren

Neben Kunststofflösungen gewinnen papier- und faserbasierte Lebensmittelverpackungen an Bedeutung. Sappi Europe entwickelte zwei recycelbare Hochbarrierepapiere mit Sauerstoff-, Fett- und Wasserdampfbarrieren für den direkten Lebensmittelkontakt. Diese wurden für Flow-Wraps, Sachets, Pillow Bags und Doypacks oder Kaltsiegelanwendungen konzipiert. UPM Specialty Papers und Royal Vaassen ersetzen Aluminiumlaminate durch faserbasierte Barrierepapiere für Kaffee, Brühe oder Schokolade. Als Trägermaterial dient „UPM Solide Lucent“. Darüber hinaus testet UPM neue Dosenformate aus Faserverbund für Chips, Tee oder Getränkepulver. Heidelberg integrierte gemeinsam mit Solenis Barrierebeschichtungen in den Rollen-Flexodruckprozess mit „Boardmaster“. Die Beschichtung wird registergenau und materialeffizient direkt im Druckprozess aufgebracht.

Nachhaltige Klebstoffe als Baustein moderner Verpackungen

Auch Klebstoffe spielen eine Rolle bei der Nachhaltigkeit von Lebensmittelverpackungen. Jowat reduziert mit energieeffizienten Schmelzklebstoffen den Energieverbrauch im Kartonverschluss. Ein „Jowatherm“-Klebstoff mit niedriger Schmelztemperatur eignet sich für temperaturempfindliche Produkte wie Schokolade, während weitere Varianten für Tiefkühlanwendungen wie Pizza- oder Eisverpackungen entwickelt wurden. Zudem steht eine biobasierte „Jowatherm“-Alternative aus Nebenprodukten der Papierherstellung zur Verfügung.

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