Business Lunch-Interview: Intelligente, energieeffiziente Kompressoren für nachhaltigere Lebensmittelproduktion

Vernetzte Anlagen leisten Beitrag zur weiteren CO2-Reduktion

Dirk Villé, Geschäftsführer Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik

2021 hat Atlas Copco viele Druckluftinnovationen geliefert. Geschäftsführer Dirk Villé blickt im Business Lunch-Interview von lebensmittelverarbeitung-online.de zurück auf die Highlights des vergangenen Jahres sowie die technischen Innovationen in der Druckluftbranche. Außerdem gibt er einen Ausblick auf 2022 und wie das Unternehmen dazu beitragen wird, die CO2 Reduzierung voran zu treiben, die Energieeffizienz der eigenen Produkte massiv zu erhöhen und noch intelligentere Maschinen zu entwickeln.

LMV-online.de: Herr Villé, das Jahr 2021 war geprägt von vielen Druckluftinnovationen, die Atlas Copco auf den Markt gebracht hat. Was können wir von diesen Innovationen erwarten?

Allein in den letzten 12 Monaten haben wir mehr als 50 neue Produkte im Bereich Kompressoren und Drucklufttechnik gelauncht. Viele davon sind patentiert und wurden in unseren eigenen Laboren von unseren eigenen F+E Ingenieuren entwickelt und auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie auf den Markt kommen. Unser Portfolio umfasst viele Produkte aus der Druckluft, Druckluftaufbereitung, alle Technologien für Stickstoff und Industriegase: vom kleinen Kolbenkompressor bis zum großen Turbokompressor. Wir haben alles im Haus und können viele Branchen wie die Lebensmittel- und Getränkeproduktion mit unserem Druckluftportfolio bedienen.

Das Entscheidende dabei ist, dass wir durch unsere technischen Druckluftinnovationen in der Branche immer einen entscheiden Schritt voraus sind. Besonders im Bereich der Druckluftaufbereitung können wir wahrscheinlich, wie kein zweiter, Kundenbedürfnisse unterschiedlichster Couleur erfüllen. Und vor allem die Sicherheit bei der Herstellung sensibler Produkte durch unsere hohen Qualitätsanforderungen und Iso Normen gewährleisten. Auch im Bereich Schraubenkompressoren und Gaseaufbereitung haben wir viele neue wegweisende Produkte auf dem Markt gebracht. Für unsere Kunden ist es ein klarer Vorteil, wenn sie durch unsere Produkte in der Lage sind, ihre Energieeffizienz zu erhöhen und ihren Umweltbeitrag in Form von CO2-Reduzierung zu minimieren.

LMV-online.de: Trotzdem bleibt Druckluft ein erheblicher Energiefresser, wie argumentieren Sie das bei Ihren Kunden?

Das stimmt, die Energiekosten sind ein enormer Kostenfaktor im Lifecycle eines Produktes und bei der Herstellung von Druckluft, schon immer. Und genau deshalb arbeiten wir permanent an effizienteren Lösungen. Alle unsere Produkte haben das Ziel, eine deutlich reduzierte Umweltbelastung zu erreichen und den CO2-Fußabdruck über den Lebenszyklus des Produktes zu senken. 

LMV-online.de: Das Thema CO2-Fußabdruck und Energieeffizienz ist in aller Munde. Sicherlich werden auch Sie von Ihren Kunden oft gefragt, wie sie ihren CO2-Fußabdruck mindern können. Was raten Sie?

Durch die Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer Kunden haben wir einen großen Schwerpunkt auf das Energiemanagement gelegt. Dies betrifft alle Bereiche: Kompressoren, Druckluftaufbereitung und selbst das Monitoring der Maschinen ist auf Energieeffizienz und auf CO2-Reduzierung ausgelegt. Des Weiteren versuchen wir auch, unsere Kunden durch spezielle Webinare zur Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung und CO2-Reduzierung zu sensibilisieren. Wir hören ihnen zu, und uns erreichen in der Tat viele Fragen zur CO2-Reduktion. Das haben wir zum Anlass genommen, in unserem Blog eine Serie zu verfassen, die Tipps zur CO2-Reduktion gibt. 

LMV-online.de: Was war Ihrer Meinung das Highlight der Druckluft-Innovationen aus dem Jahr 2021?

Für die Lebensmittelindustrie spielt im Bereich ölfrei verdichtender Kompressoren die Baureihe ZT 90-160 VSD+ eine wichtige Rolle bei den Innovationen. Hier legen wir auch höchsten Wert auf Effizienz. Diese Maschinen sind also gerade in sensiblen Bereichen, in denen ölfreie Druckluft benötigt wird, die beste Investition für die Zukunft.

LMV-online.de: Nachhaltigkeit spielt also eine entscheidende Rolle bei Atlas Copco?

Wir wollen unseren Kunden mit unseren Produkten helfen, ihre Produktion nachhaltiger zu gestalten. Denn wie schon erwähnt, machen Stromkosten den Großteil der Gesamtbetriebskosten eines Kompressors aus. Von daher sollte jeder Betrieb darauf achten, die Energiekosten möglichst niedrig zu halten. Unsere neuen Kompressoren gewährleisten das und sind größtenteils auch Bafa förderfähig. Schon bei kleinen Neuinvestitionen lohnt es sich. Wir beraten unsere Kunden auch ausführlich zum Thema Bafa und bieten da auf unserer Webseite Hilfestellung in allen Bereichen. Zum Thema Nachhaltigkeit nenne ich gerne auch ein Beispiel aus der Nahrungsmittelproduktion: Unser Kunde Coppenrath & Wiese hat seine Drucklufterzeugung komplett auf ölfrei verdichtende Kompressoren der Baureihe ZR VSD+ und übergeordnete Steuerungen umgestellt. Die Kompressoren arbeiten mit einem neu konzipierten Antriebsstrang, mit darauf abgestimmten, neu entwickelten Verdichterelementen sowie mit integrierten, effizienten Adsorptionstrocknern. Dadurch sank der Strombedarf bei den Druckluftkompressoren um 20 Prozent. Zudem nutzt die Dr.-Oetker-Tochter die Verdichtungswärme, um die Heizung zu unterstützen und das Brauchwasser in der Produktion aufzuheizen.

Wie schon bei unseren Innovationshighlights erwähnt, sind auch unsere nach Klasse 0 zertifizierten, ölfrei verdichtenden Kompressoren ein gutes Beispiel. Nicht nur in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sind diese nicht mehr wegzudenken. Wir setzen hier Branchenstandards mit bis zu 35 Prozent Energieeinsparmöglichkeiten. Zudem sind 70 Prozent aller unserer Kompressoren drehzahlgeregelt, sprich sie verbrauchen nur Energie, wenn sie auch benötigt wird. Hier waren wir schon 1994 Branchenprimus mit der Einführung der VSD-Technologie.

LMV-online.de: Digitalisierung oder digitale Transformation in der Druckluftbranche - was heißt das eigentlich?

2020 und 2021 hat die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und Geschäfte machen, komplett verändert. Digitalisierung ist seit Jahren für uns nichts Neues, sondern Standard. Dieser Standard wird permanent verbessert. Die letzten beiden Jahre haben alles noch mehr beschleunigt und gezeigt, dass unser Fokus auf Automatisierung und Konnektivität unserer Produkte der Schlüssel zum Erfolg unserer Kunden sind. Mit digitalen Steuerungen konnten wir den Maschinenpark unserer Kunden auch dann unterstützen, wenn wir nicht in der Lage waren, sie persönlich zu besuchen. Neben unseren Produkten sind die weitere Automatisierung und die Konnektivität entscheidend, verbunden mit einem optimalen Service.

LMV-online.de: Automatisierung, Konnektivität, heißt das, dass alle Maschinen vernetzt sind?

Alle Atlas Copco Produkte sind von jedem Ort steuerbar und abrufbar. Wir haben weltweit über 300.000 Produkte vernetzt. Dies ermöglicht unsere Monitoring System wie z.B Smartlink, ein System zur Überwachung der kompletten Kompressoranlage. Mit zentralen Steuerungen sind wir zum Beispiel in der Lage, die Betriebszustände und alle wichtigen Parameter von Kompressor Stationen zu erfassen und online zu übermitteln. Die Plattform Smartlink wurde bereits 2013 eingeführt und ist ein Fernüberwachungssystem für Druckluftanlagen, wobei die Maschinen via integriertem GSM Modul oder mit Hilfe eines Optimizers 4.0 über das Internet Daten senden können. Die von den Maschinen gesendeten Daten werden dann in Smartlink visualisiert und analysiert. Das heißt, Smartlink ermöglicht den Online-Zugriff auf die Druckluftanlagen, egal, wo sich der Kunde gerade befindet. Solange man eine Internetverbindung hat, kann man seine Produktion vom Smartphone mit der Smartlink-App aus überwachen. So hat der Kunde alles im Blick. Die Daten liefern auch für unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilungen relevante Informationen, um weiterhin die Energieeffizienz zu verbessern und so den CO2-Fußabdruck weiter zu senken.

LMV-online.de: Atlas Copco bietet den OPC UA Gateway als erster Kompressoren Hersteller an. Können Sie das näher erläutern?

Mit Sicherheit kann ich behaupten, dass diese Innovation wegweisend für die Branche sein wird: Unsere Kompressoren werden alle nach und nach mit OPC UA Gateway ab Werk ausgeliefert. Der Standard OPC UA (OPC UA = Open Platform Communications Unified Architecture; Anm. d. Red.) wird eine immens wichtige Rolle bei zukünftigen Maschinenparks einnehmen. Hier hat Atlas Copco mal wieder Pionierarbeit geleistet. Wir haben dies zusammen mit einem internationalen Gremium erarbeitet. OPC UA ist ein Protokoll, das den Standard zur Kommunikation unter verschiedenen Maschinen spezifiziert. So wird ermöglicht, dass Maschinen herstellerunabhängig den Informations- und Datenaustausch untereinander austauschen genauso wie IT- und OT-Anwendungen. Gleichzeitig wird so die Grundlage für Automatisierung und Industrie 4.0 geschaffen. Atlas Copco ist hier führend im Markt und der erste und bisher auch einzige Kompressoren Hersteller, der das OPC UA-Gateway als Standard Option für schon einige Modellreihen ab Werk anbietet. Zukünftig werden alle Atlas Copco eigenen Kompressoren, die eine Elektronikon-Steuerung verbaut haben, mit dem OPC UA Gateway nachrüstbar sein.

LMV-online.de: Was ist 2022 an Druckluftinnovationen aus dem Hause Atlas Copco zu erwarten?

Unsere Kunden können ein sehr effektives Jahr mit vielen Druckluftinnovationen erwarten, die ihre Produktion noch effizienter und klimafreundlicher werden lässt. Wir erwarten viel im Bereich Hochdruck Kolbenkompressoren, Stickstoffkompressoren, Steuerungssystemen, Schraubenkompressoren und Prozessfiltration. Mehr wird aber nicht verraten, denn wir wollen weiterhin dem Wettbewerb immer einen entscheidenden Schritt voraus sein. Wie Sie sehen, 2022 bleibt spannend!

Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.